Marketingpower abseits der Erotik generieren | WEBeLINE

Marketingpower abseits der Erotik generieren

18.02.2010

"Die Erotikbranche kann auf den Werbezug der Massenmedien aufspringen und diesen für sich nutzen"

 Sexy Cora sorgt aktuell für reichlich Schlagzeilen, sowohl im Print- als auch im Online News-Bereich. Der Grund liegt auf der Hand. Livevam Girl und HC-Darstellerin Cora gastiert im Big Brother-Haus. Ihr Name wird so einem Millionenpublikum bekannt gemacht. Der Effekt: die User- zahl derer, die im Netz nach Sexy Cora suchen, ist enorm gestiegen

Die Fragen:
 
1.Inwieweit können Erotikanbieter die großen Massenmedien wie TV, Print und Online aus dem Mainstreambereich nutzen, um die Bevölkerung auf bestimmte Erotiksternchen zu sensibilisieren?
 
2.Werbung für Pornographie ist in Deutschland verboten. Ist es denkbar, dass durch Aktionen wie „Sexy Cora im BB-Haus“ gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden? Zum einen ein riesiger Werbeeffekt, zum anderen die Darstellung von Erotik weiter salonfähig zu machen und Barrieren abzubauen?
 
3.Könnte es auch negative Auswirkung durch derlei Marketing-Aktionen geben?
 
4.Inwieweit können Webmaster einen Mehrwert aus Marketing-Aktionen im Segment der Massenmedien ziehen?
 
 
 
Oliver Posch
easyAD Group AG
 
Oliver Posch1. Ich bin ein großer Freund von Qualität. Insofern stelle ich mir ohnehin schon die Frage, ob man sich nicht sogar schaden kann wenn man ins Big Brother Haus zieht. Hier kommt es immer auf das "Produkt" an, welches beworben werden soll und den Wert der Marke. Nicht alles, was im Erotikbereich als Produkt bezeichnet wird, hat auch seine Existenzberechtigung in Medien, die den Massen zugänglich sind. Zudem frage ich mich kritisch, ob eine Sexy Cora jetzt nur häufiger gesucht wird oder ob auch Produkte zum Thema Sexy Cora besser konvertieren.
 
2. Die Grund der Barriere ist doch der Jugendschutz und diese sollte man auch nicht aufweichen. Erotik im TV ist etwas ganz anderes als das was hinter einem Verbot für Pornographie in Deutschland steckt. Es gibt Grenzen - die sind einzuhalten. Ich bin für AVS-Systeme und Werbung nur in dahinter geschützten Bereichen. Ich bin aber genauso gegen STOPP-Schilder im Internet und Zensur. Der Markt muss mit Hilfe des Gesetzgebers die Jugend schützen und es gibt Salons, in den hat Porno nichts verloren - da hilft es auch nicht es salonfähiger zu machen.
 
3. Das kommt, wie eingangs erwähnt, auf die Marke an - wie auch außerhalb des Adultbereiches. Eine falsche Maßnahme kann ganz sicher schaden - oft werden Maßnahmen nur kurzfristig betrachtet, welchen langfristigen Schäden eine Marke nimmt wird oft gar nicht bedacht. Wer glaubt der Erotikmarkt tickt da anders oder die Kunden seien gutmütiger, was Fehltritte oder falsche Maßnahmen angeht, der irrt. Die Gesetzes des Marktes machen bei der Erotik keine Ausnahmen.
 
4. Wenn das Produkt stimmt und das Umfeld in den Massenmedien dazu passt kann es enorm helfen - aber die Umstände müssen passen und stimmen, damit es einen gemeinsamen Nutzen hat und Früchte trägt. Ich würde mich fragen: "baue ich eine nachhaltige Strategie auf oder folge ich einem Hype?" und wenn "nutzt oder schadet mir der Hype auf lange Sicht?".
Wenn ich beide Fragen guten Gewissens beantworten kann bin ich dabei - wenn nicht, lasse ich besser die Finger davon. Ein Credo zur Nachhaltigkeit - bei Produkten wie auch bei deren Bewerbung!
 
 

Mirko Schlossmacher
Lomex GmbH

 

Mirko Schlossmacher1. Zum einen ist es immer förderlich, wenn ein Erotikthema den Weg in die Boulevardmedien findet, da es zumindest kurzzeitig das „Schmuddelimage“ verliert. Zum anderen fördert es ganz klar den Absatz, da die Medien eine Nachfrage nach den 18+ Inhalten schaffen. Ein Bericht über Erotikstars weckt natürlich das Verlangen, unzensierte Inhalte dieses Stars zu konsumieren. Wir sehen dies gerade in unserer Videothek von Bluvista, wo die Titel von Sexy Cora eine erhöhte Nachfrage erfahren.

2. Schwierig zu sagen. Eine Gina Wild z.B. hätte ihren Bekanntheitsgrad sicherlich niemals erreicht, wenn sie nicht ständig in den Medien gewesen wäre. Somit hat sie der Branche um die Jahrtausendwende ein schönes Renommee verpasst. Leider nicht nachhaltig. Der Branche fehlen heute große Namen, die sich auch mal auf ein Sofa in einer reichweitenstarken TV-Talkshow setzen und drei Sätze geradeaus sprechen können. Deswegen ist es aktuell sehr schwierig, das Thema „Adult Entertainment“ näher am Lifestyle zu positionieren.

3. Das Risiko ist natürlich immer vorhanden, wenn man im Spotlight steht. Aktuell sehe ich dabei aber keine Gefahr. Die Branche muss aber gemeinsam darauf achten, dass „schwarze Schafe“ keine Beachtung finden können.

4. Ganz einfach: In dem die Affiliates das Thema bewerben. Wir haben deswegen unseren Webmastern eine eigene Landingpage zu Sexy Cora zur Verfügung gestellt, die sich explizit dem Thema widmet. So ist die beste Conversion-Rate garantiert.

 

Nicole RinneNicole Rinne
Partnercash.com

1. Erotikanbieter können die Massenmedien nur in Verbindung mit den Darstellern nutzen, wenn sie Aufmerksamkeit erregen möchten. TV-Berichte, Artikel, Backstage-Reportagen – all das ist nur möglich, wenn sich Darsteller dazu bereit erklären, ihre Geschichte bzw. ihren Job öffentlich zu machen und damit vor die Kameras der Massenmedien zu treten. Hat man solche Darsteller gefunden, gilt es die richtigen Kontakte aufzubauen, um die Storys auch anbieten zu können. Im Grunde genommen ist es reine PR und somit eine rein organisatorische Entscheidung, ob diese Kanäle genutzt werden. Möglichkeiten gibt es also genug, ob sie wahrgenommen werden, muss jeder Anbieter für sich entscheiden.

2. Der Werbeeffekt steht hier außer Frage. Die Aufmerksamkeit, die Sexy Cora derzeit auf sich zieht, kommt allen zugute, die mit Filmen von ihr werben können. Dass die Erotik durch ihren Besuch im TV-Container salonfähiger wird, glaube ich allerdings weniger. Hier ist das Format und auch der Sender eher auf eine jüngere Zielgruppen zugeschnitten – und diese Zielgruppe empfindet Erotik eh weniger als Rand-Thema. Ähnlich ist es mit Auftritten in Talkshows und ähnlichem. Mit dem richtigen Format spricht man jedoch auch Zielgruppen jenseits der 30 an und dort könnte man Barrieren abbauen. Allerdings nur, wenn die Darstellung nicht wie im Boulevard-Stil alle Klischees bedient.

3. Grundsätzlich könnte man natürlich sagen: Hauptsache Werbung, Hauptsache Aufmerksamkeit. Aber ich denke, ganz so allgemein darf man das nicht sehen. Wie oben schon erwähnt, ist es hin und wieder problematisch die richtige Zielgruppe zu erreichen, wenn nur Klischees bedient werden. Zum anderen polarisiert solch eine Marketing-Aktion auch immer. Auch hier ist Sexy Cora wieder ein gutes Beispiel. Sie zeigt im TV-Container Gefühle und macht sich Gedanken ob die Illusion, die sie bisher verkauft hat, durch diese persönliche Seite nicht zerstört wird und welche Folgen das dann für ihre Karriere haben könnte. Authentizität ist hier sehr wichtig.

4. Die Webmaster können natürlich das erhöhte Suchaufkommen für sich nutzen, wenn die Anbieter rechtzeitig Werbematerialien zur Verfügung stellen, die auf die Marketing-Aktionen abgestimmt sind. Allerdings lohnt sich das häufig auch nur für Webmaster, die schon vorher auf die Keywords der Aktion optimiert haben. Auch hier ist Sexy Cora wieder ein gutes Beispiel: Durch den Bericht der Massenmedien kam man in Google kaum noch auf brauchbare Plätze. Die Linkpower von großen Tageszeitungen und TV-Sendern ist einfach zu groß, um dagegen anzukommen. Werbung in Communities oder anderen Kanälen kann aber auch ohne große Linkpower zu höheren Verkaufszahlen führen, denn die User sind durch die Massenmedien soweit auf den Namen des Stars oder Sternchens sensibilisiert, dass sie fast automatisch klicken, wenn Interesse am Thema vorhanden ist. 

 

Thommy Oliver
Momo-Net GmbH

Thommy Oliver1. Das man es kann steht außer Frage. Das Problem ist doch eher WIE MAN ES ANSTELLT.
Klar springen gerade die privaten TV-Stationen gerne auf Themen auf, bei denen es ein wenig anrüchig und skandalös zugeht und man nackte Haut, im Rahmen des Erlaubten, zeigen kann.
Allerdings brauchen solche Sender auch vorgekaute Stories, die es am Besten noch nie gegeben hat. Daher ist auch diese Werbemöglichkeit nur denen vorbehalten, die über entsprechendes Vitamin B und einzigartige Ideen verfügen.

2. Wäre es salonfähig, wären auch die Medien – und letzt endlich auch die Kunden - daran nicht mehr interessiert. Schon der 3. aufeinander folgende Zunami landet nicht mehr auf Titelseiten und Schmuddelkram nutzt sich da noch viel schneller ab. Ich denke das Thema wird reichlich überschätzt und ist nur so lange effektvoll, wie es in Maßen passiert.

3. Eben die genannte "Abnutzung" könnte sich da am ehesten negativ niederschlagen. Das sieht man doch heute schon an diesen ganzen Anrufgewinnspielen, die früher mal ne Goldgrube waren und heute nur noch deshalb in den meisten Programmen vorhanden sind, weil es die billigste Art ist, Inhalte zu produzieren.
Man darf bei allem Wirbel um übertriebenen Jugendschutz nicht vergessen, dass gerade die Pornowelt genau davon lebt, dass irgendwelche verkorksten Jugendschützer sie jeden Tag wichtiger und verruchter machen als sie eigentlich ist. Ich wage zu behaupten, dass sich ohne diese Pseudomoralisten, nicht mal mehr ein Bruchteil der Bevölkerung um das Thema scheren würde.

4. Genau so wie sie es auch ohne diese massenmedialen Events tun: Indem sie arbeiten, sich auf dem Laufenden halten und die Nase nicht nur im Wind halten sondern auch lernen, wie sie ihre Informationen schnell und effizient an den affinen und suchenden Kunden bringen.
Für Einzelkämpfer wird dieser Job von Jahr zu Jahr schwieriger, weil es eben auch hier mittlerweile grössere Firmen, Netzwerke oder Zusammenschlüsse gibt, die mit Synergien und konzentriertem Manpower arbeiten und dadurch schneller, leistungsfähiger und flächendeckender agieren können.

Andreas HoogendijkAndreas Hoogendijk
Digital Performance GmbH

1. Storys rund um die Themen Sex, Erotik und die Pornobranche ziehen noch immer, obwohl doch schon fast alles gezeigt und gesehen worden ist. Nicht ohne Grund hat beispielsweise das Magazin RTL Extra immer am Ende der Sendung einen „schlüpfrigen“ Beitrag, um die Zuschauer bei der Stange zu halten, denn die Einschaltquoten sind dann noch einmal besonders hoch. So haben auch wir mit dem Sexpartnerclub schon öfter Anfragen von TV Produktionen erhalten, die unter unseren Mitgliedern Gesprächspartner zu freizügigen Themen gesucht haben. Auch im Printbereich gibt es immer wieder Interesse, hinter die freizügigen Fassaden zu schauen. Besonders spannend für die Medien sind dabei Geschichten über Menschen, die sich in genau diesen Bereichen bewegen. Insofern lassen sich die großen Massenmedien sehr gut nutzen, um kurzzeitig eine große Aufmerksamkeit für einzelne Erotiksternchen und -sterne zu erzielen. Allerdings sollte man sich bewusst sein, dass gerade die Massenmedien nach den jüngsten Schleichwerbungsskandalen auf Firmen- und Portal-Logos sehr empfindlich reagieren. Entwickelt sich also nicht so ein Hype wie bei Sexy Cora, ist schon so manche Marketingwirkung verpufft, weil die Sender oder Zeitungen die entsprechende Marke in ihrem Beitrag nicht erwähnt haben.

2. Derartige Aktionen schaffen kurzfristig viel Aufmerksamkeit, aber ob sie tatsächlich dazu dienlich sind, Erotik salonfähiger zu machen und Vorbehalte und Vorurteile abzubauen, hängt sehr stark von der betreffenden Person und ihrem Verhalten in der Öffentlichkeit ab. So ist es beispielsweise Gina Wild nach ihrem Ausstieg aus der Pornoindustrie gelungen, durch ihr Auftreten, bei dem sie sich an die gesellschaftlichen Regeln und Normen gehalten hat, ernsthaftere Schauspiel-Rollen – wenn auch nur kleinere – zu bekommen und damit akzeptiert zu werden. Ähnliches gilt auch für Traci Lords in Amerika. In diesen Fällen kann es passieren, dass Barrieren überwunden und Hemmschwellen abgebaut werden. Verhält sich der Erotikstar aber falsch, kann man mit der ganzen Aktion auch leicht das Gegenteil erreichen.

3. Grundsätzlich gilt zwar: „Auch schlechte Publicity ist gute Publicity“, aber: Verhält sich der entsprechende Star gegen alle Regeln und tritt zu anzüglich und zu offenherzig auf oder erweckt gar den Eindruck naiv zu sein, werden die Vorurteile des Publikums gegenüber der Erotik- und Pornobranche bestätigt und so eher neue Hemmschwellen aufgebaut. Damit kann natürlich auch die eigene Marke Schaden nehmen …

4. Das Trafficaufkommen auf den Internetseiten kann nach einer Erwähnung in den Massenmedien, wie dem TV schon enorm zunehmen und bietet so gute Möglichkeiten, Leads und Sales zu generieren. Je länger sich das Thema in den Massenmedien hält, umso besser ist es auch für das Affiliate Marketing, wie wir es auch beim Sexpartnerclub betreiben. Durch gesteigerte Aufmerksamkeit in den Massenmedien und im Internet gewinnen die eigenen Banner, gekoppelt mit dem Bild des Film-Sternchens oder des Logos für den Publisher, an Attraktivität und sorgen damit für ein stärkeres Branding der eigenen Marke.
Aber auch für andere Unternehmen der Erotikbranche bietet sich bei einer gesteigerten Nachfrage nach einem bestimmten Erotikthema die Möglichkeit, im Rahmen von SEO-Maßnahmen mit den entsprechenden Keywords einigen Traffic abzufangen.

 

Weitere Stimmen zum Thema finden Sie in der Printausgabe der WEBeLINE 02/10

 

 

 

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